Reiseblog 72 Stunden in Louisville

Reiseblog 72 Stunden in Louisville

Unser go2travel Reiseblog: Von Michael B. / Lesedauer: 5min

Kentucky? Für viele ein weisser Fleck auf der Landkarte. Für mich: ein echtes Highlight im Süden der USA. Der sogenannte Bluegrass State liegt im Südosten der USA, zählt rund vier Millionen Einwohner und ist vor allem für drei Dinge bekannt: Pferde, Bourbon und Musik. Mein Ziel für die nächsten 72 Stunden: Louisville, die grösste Stadt des Bundesstaates. Eine Stadt, die Tradition und Moderne verbindet, mit viktorianischer Architektur, wachsender Food-Szene und einer ordentlichen Portion Südstaaten-Charme. Let’s go.

Die einfachste Verbindung aus der Schweiz nach Kentucky ist über den Cincinnati Northern Kentucky International Airport. Dieser befindet sich ganz in der Nähe der Stadt Covington, wo ich einfachheitshalber auch grad die erste Nacht meiner 2-wöchigen Kentucky Rundreise verbracht habe. Heute geht es nun mit dem Mietauto weiter nach Louisville. Die Fahrt dauert rund eineinhalb Stunden und führt mich durch die typisch hügelige Landschaft Kentuckys, vorbei an weiten Feldern, kleinen Ortschaften und ersten Pferdefarmen. Genau so habe ich mir den Bluegrass State vorgestellt, du nicht auch?

Seelbach Hilton Louisville Downtown
Die pompöse Lobby des Seelbach Hilton Louisville Downtown

Nach dem Check-in im Seelbach Hilton Louisville Downtown lasse ich mich zu Fuss Richtung Whiskey Row treiben. Hier, entlang der Main Street, wurde Louisville einst als „Wall Street des Whiskeys“ bezeichnet. Im 19. Jahrhundert lagerten und handelten hier unzählige Bourbon-Händler ihre Fässer, bevor der Whiskey über den Ohio River in die ganze Welt verschifft wurde. Nach Jahren des Verfalls wurde das Viertel liebevoll revitalisiert. Heute trifft historische Backsteinarchitektur auf moderne Bars, Restaurants und Destillerien. Genau mein Ding als grosser Whiskey-Liebhaber.

Bourbon zum Anfassen (und trinken)

Evan Williams Bourbon Experience, Louisville, Kentucky, USA
Die Evan Williams Bourbon Experience ist ein MUSS für alle Bourbon-Liebhaber

Mein erster Halt ist die Evan Williams Bourbon Experience. Eine Art interaktives Museum mit integrierter Destillerie. Hier tauche ich ein in über 200 Jahre Bourbon-Geschichte, lerne, wie Whiskey hergestellt wird (Spoiler: mindestens 51 % Mais und Lagerung in neuen, ausgebrannten Eichenfässern) und natürlich darf auch eine kleine Degustation nicht fehlen.

Funfact: Hast du gewusst, dass Bourbon nur in den USA produziert werden darf und 95% davon tatsächlich aus Kentucky stammt. Das führt dazu, dass es in Kentucky tatsächlich mehr Bourbonfässer als Einwohner hat…

Mein Fazit nach dem ersten Tasting? Ein Träumchen, definitiv ein Geschmack an den ich mich gewöhnen könnte. Mit dem warmen Geschmack des Bourbons im Hals schlendere ich weiter durch die Strassen von Downtown. Was mir schnell auffällt: In Louisville liegen Genuss und Geschichte sehr nah beisammen.

Muhammad Ali: Mehr als nur Sportgeschichte

Muhammad Ali Mural, Louisville, Kentucky, USA
Muhammad Ali ist allgegenwärtig in Louisville

Denn nur wenige Gehminuten entfernt wartet bereits das nächste Kapitel der vielseitigen Stadtgeschichte: das Muhammad Ali Center. Louisville ist die Heimat von Muhammad Ali, einer der grössten Sportler aller Zeiten und weit mehr als nur ein erfolgreicher Boxer. Als mehrfacher Schwergewichts-Weltmeister wurde er weltweit berühmt, doch ebenso prägend war sein Einsatz ausserhalb des Rings: für Bürgerrechte und Gleichberechtigung. Muhammad Ali war laut, mutig und unbequem und genau das macht ihn bis heute so relevant.

Das Museum selbst ist keine klassische Ausstellung, sondern eine emotionale Reise durch sein Leben. Es geht um Werte, Mut, Identität und gesellschaftlichen Wandel. Themen, die auch heute nichts an Bedeutung verloren haben.
Ich verlasse das Museum schwer beeindruckt und merke schon nach dem ersten Tag, wie viel Geschichte in dieser Stadt steckt.

Hot Brown: Ein Klassiker!

Hot Brown, Louisville, Kentucky, USA
Ein Hot Brown gehört zu jeder Louisville-Reise dazu

Lernen macht hungrig. Ich entscheide mich für einen Stopp im historischen The Brown Hotel, Geburtsort eines der bekanntesten Gerichte der Stadt: dem Hot Brown. Ein warmes, offenes Sandwich mit Truthahn, Speck, Tomaten und Käse – entstanden 1926 als nächtlicher Snack für Ballgäste. Klingt simpel, schmeckt aber unglaublich gut.

Zum Abschluss des Tages lasse ich mich noch ein wenig treiben und stolpere eher zufällig in eine Bar, in der Live-Musik gespielt wird. Bluegrass, um genau zu sein. Genau hier, in Kentucky, hat dieses Musikgenre seinen Ursprung. Geprägt von Bill Monroe, verbindet es Elemente aus Folk, Country und Americana – schnell, rhythmisch und irgendwie sofort mitreissend. Im Rahmen der LouGrass-Serie finden von Frühling bis Herbst regelmässig kostenlose Live-Konzerte in Bars, Hotels und Restaurants statt – und genau so fühlt sich dieser Moment heute Abend an: ungeplant, authentisch und einfach gut. Mit einem Bourbon in der Hand, Live-Musik im Ohr und diesem entspannten Südstaaten-Vibe lasse ich den ersten Tag in Louisville standesgemäss ausklingen.

Churchill Downs & das legendäre Kentucky Derby

Der zweite Tag startet früh und zwar mit einem absoluten Highlight, das man unweigerlich mit Kentucky verbindet: Pferde.

Churchill Downs, Derby, Horses, Jockey, Louisville, Kentucky, USA
Churchill Downs an einem Renntag

Mein erster Stopp führt mich zu den Churchill Downs, der Heimat des berühmten Kentucky Derbys. Die Rennbahn liegt etwas ausserhalb des Zentrums im Süden von Louisville und ist von Downtown aus in rund 10–15 Minuten mit dem Mietwagen oder Taxi erreichbar.

Kentucky Derby Museum and Churchill Downs, Louisville, Kentucky, USA
Eingang des Kentucky Derby Museums

Selbst wenn gerade kein Pferderennen stattfindet, liegt eine ganz besondere Atmosphäre in der Luft. Bereits seit 1875 wird das Derby hier ausgetragen und hat sich längst zu einem globalen Event entwickelt. Ein Mix aus „Super Bowl und Karneval“, mit extravaganten Hüten, Mint Juleps und ganz viel Tradition.

Ich besuche das angeschlossene Kentucky Derby Museum, werfe einen Blick hinter die Stallungen und stelle mir vor, wie sich an einem Renntag tausende Menschen hier versammeln. Fun Fact: Das eigentliche Hauptrennen dauert gerade mal zwei Minuten – und wird daher oft auch als „Most Exciting Two Minutes in Sports“ betitelt.

Zeitreise in Old Louisville

Louisville Slugger Museum & Factory, Louisville, Kentucky, USA
Der “Big Bat” ist 35 Meter hoch!

Von Churchill Downs fahre ich danach direkt ins Viertel Old Louisville, das mit 45 Strassenblocks grösste Viertel der USA im viktorianischen Stil. Hier fühlt es sich an, als wäre die Zeit stehen geblieben: prachtvolle Häuser, breite Alleen, Gaslaternen und riesige Veranden. Ich schlendere ein wenig umher und geniesse diese ruhige, fast schon europäisch anmutende Atmosphäre. Ein schöner Kontrast zum lebhaften Downtown und die perfekte Umgebung für eine kleine Pause inkl. Snack. Apropos Downtown. Dort wartet mit dem Louisville Slugger Museum & Factory bereits das nächste ikonische Wahrzeichen auf mich.

Louisville Slugger Museum & Factory, Louisville, Kentucky, USA
Noch heute werden hier Profi-Baseball-Schläger hergestellt

Schon von weitem sehe ich ihn: den sogenannten „Big Bat“, ein über 35 Meter hoher Baseballschläger, der vor dem Gebäude in den Himmel ragt. Eine exakte Nachbildung des Schlägers von Babe Ruth. Im Inneren des Museums tauche ich ein in die Welt des Baseballs – einer Sportart, die in den USA fast schon Religion ist.

Hier wurden Schläger für Legenden wie Babe Ruth, einen der berühmtesten Baseballspieler aller Zeiten und Ikone der New York Yankees, gefertigt. Mit seinen spektakulären Home Runs prägte er den Sport wie kaum ein anderer und wurde zum ersten grossen Sport-Superstar der USA. Bis heute produziert die Fabrik täglich rund 4’000 Schläger. Während der Führung sehe ich, wie aus einem Stück Holz ein Stück Sportgeschichte entsteht. Und ja: Einen Mini-Schläger als Souvenir nehme ich natürlich auch mit 😉

 

Südstaaten Küche at its best

Langsam meldet sich der Hunger – und dafür gibt es in Louisville viele gute Adressen. Zum Beispiel der kreative NuLu District (New Louisville), wo sich moderne Restaurants aneinanderreihen und die klassische Südstaatenküche neu interpretieren. Mich zieht es aber bewusst weg von den hippen Spots. Denn wenn ich schon Mal in Kentucky bin, will ich auch ein echtes Stück lokaler Esskultur erleben.

Ich mache mich also auf den Weg zu Mark’s Feed Store, einem klassischen BBQ-Restaurant: rustikal, einfach und mit diesem unverkennbaren Duft von geräuchertem Fleisch in der Luft.

Neben Ribs und Brisket probiere ich auch den berühmten Burgoo – Kentuckys wohl bekanntesten Eintopf. Ursprünglich bereits vor dem Bürgerkrieg entstanden, wurde er traditionell für grosse Zusammenkünfte gekocht. In den Topf kommen meist mehrere Fleischsorten und Gemüse wie Mais, Okra oder Bohnen – und je länger alles köchelt, desto intensiver wird der Geschmack. Kein Fine Dining, sondern echtes Soulfood. Bevor ich müde, aber glücklich, ins Bett falle, gibt’s zum Dessert noch ein kleines Bourbon-Glace, what else 😊

Morgenstimmung am Ohio River

Waterfront Park, Lincoln Memorial, Big Four Bridge, Louisville, Kentucky, USA
Der Waterfront Park aus der Vogelperspektive

Mein letzter Tag in Louisville startet bewusst ruhig und ganz ohne Hektik. Ich mache mich auf den Weg zum Louisville Waterfront Park, direkt am Ohio River gelegen. Die Luft ist frisch, die Stadt noch ruhig. Ich schlendere dem Wasser entlang und geniesse den Blick auf die Skyline. Meinen Hunger stille ich in einem der nahegelegenen Cafés und stelle fest: Louisville hat eine überraschend starke Brunch-Kultur. Und so lasse ich es mir natürlich nicht nehmen mit einem klassischen Egg Benedict und einer grossen Portion Pancakes in den Tag zu starten. Merke dir: Ein bisschen «bödele» kann in Louisville generell nie schaden, denn der nächste Bourbon ist sicherlich nie weit entfernt.

Auf den Spuren des Kentucky Bourbon Trail

Gut gestärkt geht es zurück Richtung Downtown – und damit wieder mitten hinein in das Thema, das Kentucky weltweit bekannt gemacht hat: Bourbon.

Frazier Welcome Center, Louisville, Kentucky, USA
Das Frazier History Museum gilt als offizielles Besucherzentrum des Bourbon Trails

Louisville gilt als Ausgangspunkt des berühmten Kentucky Bourbon Trail, einer Route, die sich über mehrere hundert Kilometer durch den ganzen Bundesstaat zieht und einige der bekanntesten Destillerien miteinander verbindet. Startpunkt ist das Frazier History Museum, das gleichzeitig als offizielles Besucherzentrum des Bourbon Trails gilt. Hier bekomme ich nochmals einen Überblick über die Geschichte und Bedeutung des Bourbons – von den ersten Destillationen im 18. Jahrhundert bis heute – und Kartenmaterial für meine heutige Weiterreise durch Kentucky. Ich werde wohl nicht alle 42 Destillerien besuchen können, aber die älteste noch aktive Brennerei Bardstown, die Barton 1792 Distillery oder die familiengeführte Willett Distillery stehen ganz oben auf meiner Liste.

 

Mein Fazit zu 72 Stunden in Louisville:

Louisville ist vielleicht nicht die erste Destination, die einem in den Sinn kommt, dafür aber definitiv eine, die man nicht so schnell vergisst. Die Mischung aus Bourbon-Tradition, Geschichte, Kulinarik und echtem Südstaaten-Charme machen die Stadt zum perfekten Ausgangspunkt für jede Kentucky-Reise.

Weitere Informationen und Reisevorschläge für die Südstaaten der USA finden Sie hier.

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