Reiseblog 72 Stunden in Tucson
Reiseblog 72 Stunden in Tucson
Tucson, Arizona – das bedeutet glühende Sonnenuntergänge, ikonische Kakteen, tief verwurzelte indigene und mexikanische Kultur, preisgekrönte Küche und eine kreative Szene, die man so mitten in der Wüste nicht erwarten würde.
Die Stadt liegt im Süden von Arizona, rund zwei Autostunden südöstlich von Phoenix, eingebettet in eine spektakuläre Landschaft aus Sand, Gebirgszügen und Nationalparks. Mit rund 550’000 Einwohnern ist Tucson zwar kleiner als viele andere US-Metropolen, dafür umso authentischer. Sie ist UNESCO City of Gastronomy, Heimat des Saguaro Nationalparks, glänzt mit über 350 Sonnentagen im Jahr und gilt als Top-Destination für Outdoor-Enthusiasten, Astrofans und Hobby-Cowboys.
In den nächsten paar Zeilen zeige ich dir gerne, warum du auf deiner nächsten Südwest-Rundreise unbedingt einen 3-tägigen Stopp in Tucson einlegen solltest. Let’s go.
First stop: San Xavier del Bac

Meinen ersten Tag starte ich gleich mit einem echten Highlight: der spanischen Missionskirche San Xavier del Bac, rund 15 Minuten südlich der Stadt auf dem Land der Tohono O’odham Nation. Schon aus der Ferne leuchtet die schneeweisse Barockfassade vor der rostbraunen Wüstenkulisse. Erbaut im 18. Jahrhundert, ist sie nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern auch ein spiritueller Ort mit einer sehr aktiven Gemeinde.
Ich nehme an einer kostenlosen Führung teil (findet stündlich statt) und lasse mich von den farbenfrohen Wandmalereien und vergoldeten Altären verzaubern. Danach gönne ich mir draussen ein frisches Fry Bread mit Honig, ein traditioneller Snack, den lokale Verkäufer hier direkt vor dem Kirchplatz anbieten.
Southern Arizona Visitor Center & Gem & Mineral Museum

Zurück in Downtown zieht es mich ins Southern Arizona Heritage and Visitor Center im historischen Pima County Courthouse. Hier erfahre ich alles über die Region: Natur, indigene Geschichte, Geologie, kulinarische Tipps – und jede Menge persönliche Empfehlungen vom hilfsbereiten Team vor Ort. Im selben Gebäude befindet sich auch das Alfie Norville Gem & Mineral Museum, ein wahres Schatzkästchen voller Edelsteine, Meteoriten und interaktiver Stationen. Auch wenn Geologie nicht gerade mein Hobby ist – dieses Museum ist eindrücklich, modern, klimatisiert (Danke!) und definitiv sehenswert.
Lunch im Cup Café im Hotel Congress
Weiter geht’s zur Congress Street, dem historischen Kern der Stadt. Mein Ziel: das legendäre Cup Café im Hotel Congress, einem Hotel aus dem Jahr 1919. Es ist nicht nur ein Kultort für Brunch & Bloody Marys, sondern auch geschichtsträchtig: Hier wurde einst Gangster John Dillinger verhaftet! Ich bestelle die berühmten Cast Iron Baked Eggs und ein kühles Bier. Tipp: Früh kommen oder unbedingt reservieren!
Bummeln auf der 4th Avenue & Congress Street

Jetzt ist Bummeln angesagt und zwar in einem der kreativsten Viertel der Stadt: dem 4th Avenue Historic Shopping District. Hier reihen sich zig Vintage-Läden, Buchhandlungen, Craft-Bier-Pubs, Galerien und alternative Cafés aneinander. Ich entdecke bunte Murals, plaudere mit Ladenbesitzern und finde kleine Secondhand-Schätze. Auch wenn die Distanzen in Downtown kurz sind, merke ich langsam aber sicher meine Füsse und die Hitze und nehme deshalb die kostenlose Sun Link Strassenbahn zurück zur Congress Street.
Dort treibt es mich als erstes in den Old Town Artisans Courtyard – ein hübscher Adobe-Hof mit Boutiquen, Kunsthandwerk, Southwestern-Schmuck und einem kleinen Café. Hier kaufe ich ein paar lokale Souvenirs für die Daheimgebliebenen und setze mich für eine kurze Pause in den Innenhof. Huch, hier im Süden Arizonas kann es ganz schön heiss werden….

Am späteren Nachmittag steht das Pima Air & Space Museum auf meinem Plan (Achtung, letzter Einlass um 15.00 Uhr!). Dieses befindet sich ca. 20 Minuten ausserhalb der Stadt und ist ein absolutes Must-See für mich als grossen Aviatik-Fan. Mit über 400 historischen Flugzeugen zählt es zu den grössten Luftfahrtmuseen der Welt. Ob legendäre Kampfjets, elegante Doppeldecker, oder das Nachfolgemodell der Air Force One, hier findest du einfach alles, was mit der Fliegerei zu tun hat. Mein Tipp: Unbedingt genügend Zeit einplanen, das Gelände ist riesig!
Den Abend lasse ich im ältesten mexikanischen Restaurant der USA ausklingen: dem legendären El Charro Café, das seit 1922 Familiengerichte und «Sonoran-Specialties» serviert. Ich bestelle die berühmte Carne Seca – luftgetrocknetes Rindfleisch, das in der Sonne auf dem Dach getrocknet wird, bevor es geschmort und gewürzt wird. Dazu frische Tortillas, Bohnen und einen frozen Margarita. ¡Buen provecho!
Arizona-Sonora Desert Museum

Früh aufstehen lohnt sich in Tucson immer! Denn morgens ist es noch angenehm kühl und dann sind auch die Tiere am aktivsten. Mein erstes Ziel: das legendäre Arizona-Sonora Desert Museum, rund 20 Minuten westlich von Downtown. Was klingt wie ein trockenes Naturkundemuseum, ist in Wirklichkeit ein genialer Mix aus Zoo, botanischem Garten, Aquarium, Naturkundemuseum und Outdoor-Abenteuerpark – alles eingebettet in eine natürliche Wüstenlandschaft.
Ich schlendere durch Kakteenhaine, beobachte Kolibris in der Voliere, sehe einem Berglöwen beim Dösen zu und komme bei einer kurzen Führung sogar einem Erdmännchen ziemlich nah. Auf dem Gelände gibt es mehrere kurze Wanderpfade mit Infotafeln, interaktive Ausstellungen zu Geologie und jede Menge Schattenplätze für kurze Pausen. Aber mein heutiges Highlight kommt erst noch…
Saguaro National Park West

Nur einen Katzensprung entfernt beginnt der westliche Teil des Saguaro National Parks – Heimat der berühmtesten Pflanze Arizonas: dem Saguaro-Kaktus. Diese stacheligen Giganten können bis zu 15 Meter hoch und über 200 Jahre alt werden. Die Silhouetten sind absolut ikonisch und besonders bei Sonnenuntergang ein beliebtes Fotosujet. Hast du gewusst, dass ein Saguaro-Kaktus seine ersten „Arme“ oft erst im Alter von 50–75 Jahren bekommt. Geduld zahlt sich also auch als Kaktus aus 😉.

Ich fahre den Bajada Loop Drive, eine unbefestigte, aber gut befahrbare Panoramastrasse und mache beim Signal Hill Halt. Ein kurzer Wanderweg (ca. 20 Minuten) führt zu einer Felsgruppe mit über 200 Petroglyphen der Hohokam-Ureinwohner.
Zurück in der Stadt zieht es mich am späteren Nachmittag noch zum Mission Garden, einer friedlichen Oase direkt neben dem Santa Cruz River. Was aussieht wie ein einfacher Obst- und Gemüsegarten ist in Wirklichkeit ein faszinierendes Freiluftmuseum über 4’000 Jahre Agrargeschichte: Hier wachsen Pflanzen, wie sie einst von den Hohokam, den spanischen Siedlern oder später von den Mexikanern angebaut wurden. Ich schlendere an Feigenkakteen, Maisfeldern und Granatapfelbäumen vorbei, plaudere mit einem ehrenamtlichen Gärtner über Bewässerungstechniken. Vielleicht kann ich ja noch einen Tipp für mein Hochbeet zu Hause abstauben.
Mercado San Agustin
Nur wenige Minuten entfernt, befindet sich der Mercado San Agustin. In dieser gemütlichen Markt- und Restaurantanlage mit Adobe-Architektur, lokalen Boutiquen und Streetfood-Vibes trifft sich, meist gegen Abend, ganz Tucson.
Ich stöbere durch kleine Läden, gönne mir ein Glacé bei der La Estrella Bakery und lasse mich von der Live-Musik auf dem Platz leiten. Direkt daneben im MSA Annex erwarten mich bunte Container-Läden mit noch mehr Streetfood. Hier esse ich dann auch gleich zu abend. Ich entscheide mich für ein farbenfrohes, hipstriges-mexikanisches Lokal mit Birria Tacos und hausgemachten Churros.
Biosphere 2: Unser Planet im Miniaturformat

Der letzte Tag beginnt mit einem echten Science-Fiction-Erlebnis: Etwa eine Stunde nördlich von Tucson liegt die Biosphere 2, eine der wohl faszinierendsten Forschungsanlagen der Welt. Ursprünglich als Experiment zur autarken Lebensweise unter einer Glaskuppel konzipiert, dient das Gelände heute der Erforschung des Klimawandels, von Ökosystemen und nachhaltigen Lebensräumen – betrieben von der University of Arizona.
Ich nehme an einer geführten Tour teil (unbedingt vorab buchen), die mich durch verschiedenste Biome führt. Vom Regenwald über eine Wüste bis hin zu einem Mini-Ozean mit Korallenriff. Die riesigen Glaskuppeln, metallischen Tunnel und das unterirdische „Lungensystem“ wirken wie aus einem Science-Fiction-Film und bringen mich ziemlich ins Grübeln… zumindest hätte ich sowas Mitten in der Wüste nicht erwartet.
Sabino Canyon

Den Nachmittag verbringe ich nochmals in der Natur. Der Sabino Canyon liegt im Nordosten der Stadt und ist ein beliebtes Naherholungsgebiet mit tief eingeschnittenen Schluchten, Felsformationen, kleinen Bächen und – natürlich – Saguaro-Kakteen.
Ich nehme den Sabino Canyon Crawler, einen offenen, elektrischen Shuttle, der mich tief in die Schlucht hinein bringt, mit mehreren Stopps für spontane Mini-Wanderungen oder Fotopausen. Die Strecke entlang des Bachs ist atemberaubend schön. Wer mag, kann auch ein kleines Stück durch das flache Wasser waten oder einfach am Ufer sitzen und die Ruhe geniessen (Mückenspray nicht vergessen!). Eine schöne Alternative zum Saguaro Nationalpark, falls du diesen bereits kennst.
Ein letzter Abend mit Wow-Faktor

Für mein letztes Abendprogramm muss ich nochmals ein paar Kilometer unter die Räder nehmen. Dafür verspreche ich mir einen einzigartigen Abend im ca. 1,5 Stunden entfernten Kitt Peak National Observatory – einer der besten Orte in den USA für Himmelsbeobachtung. Das Abendprogramm umfasst ein einfaches Abendessen, geführte Teleskop-Beobachtungen und eine Einführung in Sternbilder, Planeten und Galaxien.
Tipp: Unbedingt im Voraus reservieren und warme Kleidung mitnehmen – auf 2’100 m.ü.M. kann es ganz schön kühl werden.
Hasta pronto, Tucson!
Tucson hat mich überrascht, bewegt und inspiriert. Zwischen jahrhundertealter Geschichte, pulsierendem Stadtleben, Wüstenabenteuern und kreativen Köpfen zeigt sich die Stadt so authentisch, ungeschminkt und gleichzeitig bezaubernd, wie man es in der Wüste Arizonas kaum vermuten würde.
Wie es sich für diese Region gehört, verbringe ich auch noch ein paar Tage auf einer Ranch und versuche mich als Cowboy. Gut zu wissen: Diverse Ranches liegen nur gerade mal 30-45 Minuten von Downtown Tucson entfernt (z.B. die Tanque Verde Ranch oder die White Stallion Ranch). Alle Ausflüge, die ich vorgestellt habe, wären also auch locker von der Ranch aus machbar gewesen. Man hat dann aber etwas weniger Zeit für das vielfältige Ranchprogramm und da ich, wie immer, den «5er und sWeggli» möchte, habe ich mich einfach für eine zusätzliche Ranch-Verlängerung entschieden. Man gönnt sich ja sonst nichts 😉
Weitere Informationen und Reisevorschläge für den Westen der USA finden Sie hier.
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