Reiseblog Memphis/Mississippi

Reiseblog Memphis/Mississippi

Unser go2travel Reiseblog: Von Michael B. / Lesedauer: 3min

Sorry Mississippi…

Ich bin nicht zum ersten Mal in Mississippi. Allerdings habe ich beim letzten Mal einen frappanten Fehler gemacht, indem ich für die Erkundung des Magnolia States viel zu wenig Zeit eingeplant habe. Ich war damals auf einem grösseren Südstaaten-Roadtrip unterwegs und habe für die Strecke von Memphis nach New Orleans gerade mal 2 Übernachtungen eingeplant – jugendlicher Leichtsinn? Einige Jahre später, älter und weiser, will ich es besser machen.

Let’s start the journey.

Ein authentisches BBQ an der Beale Street

Graceland Memphis
Graceland etwas ausserhalb von Memphis

Zum Anfang bleibe ich erst mal noch 2 Nächte in Tennessee.
Nur wenige Städte verkörpern für mich den Süden der USA besser als Memphis. Die Stadt in der südwestlichen Ecke des Volunteer State vereint Musik, Geschichte und gutes Essen, die drei wichtigsten Themen der Südstaaten, wie keine andere. Elvis, der King of Rock’n’Roll ist hier noch immer allgegenwärtig und ein Besuch der Sun Studios und Graceland ist für jeden Besucher ein Muss. Das vormals von Elvis Presley bewohnte Anwesen im Stadtteil Whitehaven, bietet Einblicke in das imposante Herrenhaus und seinen Privatjet. Was mich ganz besonders beeindruckt sind die vielen legendären Kostüme… eins extravaganter als das andere.

 

Beale Street in Memphis
Beale Street in Memphis

Doch Memphis ist nicht nur die Wiege des Rock ‘n‘ Roll. 1977 erklärte der U.S. Kongress die Beale Street in Memphis offiziell zur Heimat des Blues. Entlang der 2.9 Kilometer langen Strasse findet man nicht nur die besten Blues-, Soul- und Rock’n’Roll Bands sondern auch tolle Museen, wie das Rock’n’Soul Museum oder die Memphis Music Hall of Fame. Die Stadt nimmt aber auch eine besondere und bedeutende Rolle in der Bürgerrechtsbewegung der 1950er und 1960er Jahre ein. Wer die Südstaaten tiefgehender verstehen möchte, sollte sich deshalb die Zeit für einen Besuch im National Civil Rights Museum nehmen. Dieses befindet sich beim Lorraine Motel, Schauplatz des Attentats auf Martin Luther King 1968. Der Besuch dieses Museums bedrückt mich und regt zum Nachdenken an. Ich brauche im Anschluss etwas, dass meine Stimmung wieder hebt. Auf dem Weg zur Beale Street, halte ich an einem der vielen Foodtrucks. Es ist mir nicht nach Fine Dining. Viel mehr lockt mich der Duft von stundenlang geschmortem Fleisch, welcher mir schon den ganzen Tag von überall her in die Nase strömt. Ich setze mich in den kleinen Park gegenüber des Hard Rock Cafés und höre die ersten Rock’n’Roll- und Blues-Klänge aus den Musikclubs der Beale Street – Südstaaten Feeling pur!

 

Enten im Peabody Hotel in Memphis
Enten im Peabody Hotel in Memphis

Nach ein paar Drinks und einer kleinen Tour durch die verschiedenen Lokale der Beale Street, mache ich mich auf den Weg ins Bett. Auf meinen Reisen leiste ich mir gerne ab und zu auch eine etwas speziellere Unterkunft. Gemütliche Inns, ausgemusterte Zugwagons, eine 5m2-Kammer im Leuchtturm – Hauptsache anders. Die wohl historischste, aber auch tierfreundlichste Unterkunft in Memphis ist das The Peabody. Im berühmten 5-Sterne-Hotel lebt seit langem eine Gruppe von Enten. Die Tiere watscheln täglich um 11 und 17 Uhr feierlich im Gänsemarsch von ihrem Zuhause auf dem Dach, via Lift und rotem Teppich, zum Brunnen der Hotellobby und zurück. Immer mit dabei: Schaulustige, der Duckmaster und der «King Cotton»-Marsch, der aus den Lautsprechern ertönt. Was aussieht wie ein neumodischer Werbegag des Hotels, hat durchaus Tradition. Die Überlieferung besagt, dass in den 1930ern der einstige Hoteldirektor ein paar Enten von einem Jagdurlaub zurückbrachte und es eine lustige Idee fand, die Enten in den hoteleigenen Brunnen zu setzen. Wohl bestes Beispiel für eine Schnapsidee…

 

Grosser Name, kleines Haus und ein «Hardwarestore»

Gitarren in Tupelo
Gitarren in Tupelo

Meine Füsse wippen immer noch leicht zur Hound Dog Cover-Version, welche mir seit meinem gestrigen Besuch an der Beale Street im Kopf herumschwirrt, als ich mit dem Auto die Grenze nach Mississippi überquere. Vom Elvis Fieber gepackt, befinde ich mich wenig später zwischen zwei Regalen in einem Eisenwarengeschäft in Tupelo. Hier im überschaubaren Tupelo hat Elvis bis zu seinem 14. Lebensjahr gelebt und jährlich strömen tausende Besucher in die kleine Stadt, um das Geburtshaus des Ausnahmekönners zu besichtigen. Dass Tupelo mächtig stolz auf ihren Zögling ist, beweist nicht zuletzt auch die grosse Elvis Statue vor der City Hall. Im Eisenwarengeschäft kaufe ich übrigens nichts, etwas gekauft hat hier aber der junge Elvis Presley, und zwar seine allererste Gitarre.

 

Der Blues erzählt eine Geschichte

Ausstellung im B.B King Museum
Ausstellung im B.B King Museum in Indianola

Ausgeschlafen und gut gelaunt verlasse ich das neu eröffnete Tupelo Hotel – ein Boutique Hotel und aktuell auch die beste Adresse im Ort. Beim Vorbeifahren in Oxford, einer typischen „All American Small Town“ winke ich in Gedanken noch kurz John Grisham zu, der mich schon manche Stunden mit seinen spannenden Thrillern unterhalten hat. Wie viele andere Autoren soll er angeblich hier wohnen oder zumindest hier gewohnt haben. Mein Ziel ist das Mississippi Delta im Nordosten des Staates. Eine Weile folge ich dem Mississippi Blues Trail. Dieser verläuft zwar durch den ganzen Staat, im Delta ist er aber besonders attraktiv. Mit dem Mississippi Grammy Museum in Cleveland und dem B.B. King Museum & Delta Interpretive Center in Indianola stehen hier gleich zwei Highlights auf meinem Programm. Beide Museen haben extrem viel zu bieten und wie fast überall in den USA kommt hier auch der interaktive Teil nicht zu kurz.

 

Ich könnte gut und gerne noch etwas länger hier verweilen, aber mein Tagesprogramm drängt. So mache ich, wie alle Touristen, nur noch kurz ein Foto mit der übergrossen Gitarre vor dem B.B. King Museum und steige wieder in mein Auto. Nach rund 30 Minuten erreiche ich Greenville, mein heutiges Etappenziel. Die Stadt liegt direkt am wunderschönen Mississippi-River. Hier lasse ich den Tag – dreimal darfst du raten – bei einem guten BBQ und Live-Musik ausklingen.

 

Ein wichtiger Ort für die Geschichte der USA

National Military Park Vicksburg
National Military Park

Wer mich kennt, weiss, wie sehr ich mich für Geschichte im Allgemeinen und US-History im Besonderen interessiere. Daher sind meine Erwartungen an den heutigen Tag riesig. Es geht nach Vicksburg. Sagt dir nichts? Kein Problem, ich hole gerne etwas aus. An diesem kleinen Ort, mit aktuell rund 22‘000 Einwohnern, fand vor 160 Jahren eine der entscheidenden Schlachten im amerikanischen Bürgerkrieg statt. Mein erster Stopp ist der Vicksburg National Military Park. Wie immer bei sogenannten Historical Sites, halte ich zuerst am Visitor Center an. Dort erklärt man mir meine Optionen. Wie wäre es mit einer Tour durch den rund 10km2 grossen Park? Ich entscheide mich dafür alles auf eigene Faust und im eigenen Tempo zu erkunden. Vorbei am Schlachtfeld, zu General Grants Hauptquartier und weiter bis zum USS Cairo Museum und dem Vicksburg National Cementary verbringe ich fast den ganzen Tag an diesem historischen Ort.

 

Biedenharn Haus
Biedenharn Haus in Vicksburg

Am Abend fahre ich glückselig in die kleine Innenstadt von Vicksburg zurück. Was für ein Tag. Mitten in der historischen Altstadt entdecke ich fast zufällig ein altes, auffälliges Backsteingebäude – das Biedenharn Coca-Cola Museum. Wie ich bald herausfinde, wurde hier nämlich nicht nur Bürgerkriegsgeschichte geschrieben, sondern 1894 auch die ersten Coca-Cola Flaschen abgefüllt. Leider ist das Museum aber bereits geschlossen und ich nehme mir den Besuch der kleinen Privatsammlung für den übernächsten Morgen vor. Am Abend erweitere ich meinen kulinarischen Horizont mit einem sogenannten Gumbo Pot, authentische Südstaatenküche at its best. Sehr zu empfehlen…

 

Ein Tagesausflug in die Hauptstadt

Civil Rights Museum Jackson
Civil Rights Museum in Jackson

Nur 45 Minuten von Vicksburg entfernt liegt Jackson, die Hauptstadt Mississippis. Ich habe mich dafür entschieden mein Hotel in Vicksburg zu behalten und besichtige Jackson als Tagesausflug. Wie immer, wenn ich in der Hauptstadt eines amerikanischen Bundesstaates bin, besuche ich als erstes das State Capitol. Das Kapitol von Mississippi kann als Teil einer Tour auch von innen besichtigt werden. Im Anschluss verbringe ich etwas Zeit im Mississippi Civil Rights Museum. Das Museum führt durch die verschiedenen Stufen der Bürgerrechtsbewegung – eine sehr eindrückliche und empfehlenswerte Ausstellung. Voller Eindrücke mache ich mich wieder auf den Weg zurück nach Vicksburg. Aber natürlich nicht, ohne mich vorher im Barrelhouse Southern Gastro Pub noch kurz mit einem Burger zu stärken.

 

 

Charmantes Natchez

Downtown Natchez
Downtown Natchez

Die wohl charmanteste Kleinstadt des Staates möchte ich natürlich auch noch besuchen. Ich fahre weiter dem Mississippi-River entlang bis nach Natchez. Aber halt, da war doch noch was. Vor meiner Abfahrt besuche ich noch das Biedenharn Coca-Cola Museum. Mit sehr viel Charme wurden hier alle möglichen Objekte rund um das beliebte Softgetränk und die Biederhan Familie, welche hier noch bis 1938 Coca Cola in Flaschen abgefüllt hat, ausgestellt. Zurück zu Natchez: Als ich in die Stadt fahre, fühle ich mich gleich ins 18. und 19. Jahrhundert zurückversetzt. Die Antebellum-Häuser, die Kutschen und Strassenlaternen sorgen für eine idyllische Stimmung. Ich bleibe nur für eine Nacht und entscheide mich für die Besichtigung der historischen Stätten Longwood und Stanton Hall. Da es ein traumhafter Frühsommerabend ist, verzichte ich für einmal auf eine Bar mit Live Musik und schlendere lieber noch etwas durch den Bluff Park, wo ich im Abendrot über den mächtigen Mississippi blicke. Käme jetzt noch ein alter Raddampfer daher getuckert, es wäre zuuuu kitschig!

 

Weisse Strände wie in Florida

Strand Biloxi
Strand Biloxi

Zum Abschluss dieser Südstaaten-Reise will ich noch etwas relaxen. Für die Fahrt an den Golf von Mexiko wähle ich die schnellere Variante auf der Interstate, schliesslich möchte ich nicht zu viel Zeit verlieren. Nach rund 3,5 Stunden erreiche ich mein Ziel. Als ich in Gulfport/Biloxi International Airport vorbeifahre weist noch nicht viel darauf hin, dass ich in Kürze das Meer erreichen werde. Doch bald schon dringt eine angenehme Brise durch mein offenes Autofenster. Ich kann das Meer förmlich riechen. Als erstes erreiche ich den Gulfport Beach und ich stärke mich bei Shaggy’s mit ein paar Shrimps. Zwei volle Tage stehen mir hier zur Verfügung. Zuerst möchte ich mir einen Überblick verschaffen. Ich fahre also rund 20 Minuten dem East Beach Blvd entlang bis nach Biloxi. Ich fühle mich wie in Florida. Rechts von mir ziehen immer wieder schneeweisse Strandabschnitte vorbei und zu meiner linken wechseln sich Restaurants, Casinos und Hotels ab. Ein weisser Leuchtturm auf dem Mittelstreifen des Highways zeigt an, dass ich nun Biloxi erreicht habe. Nicht zu übersehen ist das riesige Hard Rock Hotel & Casino mit seiner übergrossen «Hard Rock-Gitarre» vor dem Eingang. Ein Bild, mit dem sich der Kreis dieser Reise besser nicht hätte schliessen können. Hier bleibe ich noch einwenig und geniesse die Sonne, die langsam über dem Golf von Mexiko untergeht.

Kennen Sie schon unsere go2travel Podcast-Folge über die Südstaaten? Reinhören lohnt sich. Weitere Informationen und Reisevorschläge für die Südstaaten finden Sie zudem hier.

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