Reiseblog 72 Stunden in Toronto
Reiseblog 72 Stunden in Toronto
Unser go2travel Reiseblog: Von Nadja B. / Lesedauer: 5min
Toronto ist Kanadas grösste Stadt und eine der multikulturellsten Metropolen der Welt. Über 200 verschiedene Ethnien, mehr als 180 Sprachen und Quartiere mit ganz eigenem Charakter machen die Stadt zu einem spannenden Mix aus Kulturen, Kulinarik und Grossstadtflair. Zwischen ikonischen Wahrzeichen wie dem CN Tower, kreativen Szenevierteln, idyllischen Inseln im Ontariosee und einer leidenschaftlichen Sportszene gibt es unzählige Seiten zu entdecken. Begleiten Sie Nadja auf ihrer dreitägigen Entdeckungstour durch Toronto – eine Stadt, die man am besten Quartier für Quartier erlebt.
Toronto empfängt mich mit strahlendem Sonnenschein. Nach knapp neun Stunden Flug lande ich gegen Mittag mit der SWISS am Toronto Pearson International Airport und dank der guten Zugverbindung mit dem UP Express dauert es keine halbe Stunde, bis ich mitten in Downtown stehe. Schon auf der Fahrt fällt mir auf, wie grün Toronto eigentlich ist. Zwischen den Wolkenkratzern blitzen immer wieder Parks auf, und irgendwo in der Ferne glitzert bereits der Ontariosee. Nach dem Check-in im Le Germain Hotel Toronto Mercer bleibt mir noch genügend Zeit für einen ersten Streifzug durch die Stadt.
Hoch hinaus
Mein erster Weg führt mich direkt zum wohl bekanntesten Wahrzeichen der Stadt: dem CN Tower.
Lange Zeit war er mit 553 Metern das höchste freistehende Bauwerk der Welt und bis heute prägt er die Skyline Torontos wie kein anderes Gebäude. Bereits die Fahrt mit dem Lift ist spektakulär. In weniger als einer Minute schiesse ich auf über 346 Meter Höhe. Oben angekommen, verschlägt es mir erst einmal die Sprache. Denn vor mir liegt Toronto in seiner ganzen Pracht. Die gläsernen Hochhäuser des Financial District, der Lake Ontario, die Toronto Islands und in der Ferne sogar die Niagararegion. Von hier oben wird mir wieder einmal bewusst, wie riesig Kanadas grösste Stadt eigentlich ist.
Natürlich wage ich mich auch auf den berühmten Glasboden. Mein Kopf weiss zwar, dass unter mir mehrere Zentimeter dickes Spezialglas liegen. Meine Beine sind davon allerdings nicht ganz überzeugt. Für Adrenalinjunkies gäbe es übrigens noch den EdgeWalk, bei dem man gesichert einmal rund um die Aussenseite des Turms spazieren kann. Ich schaue den mutigen Teilnehmern allerdings lieber aus sicherer Entfernung zu.
Toronto von seiner genussvollen Seite
Das 360 Grad Restaurant auf dem Turm, das übrigens sehr zu empfehlen ist und ab 75 CAD/Person den Eintritt auf die Aussichtsplattform inkludiert, kenne ich bereits von meinem letzten Besuch. Deshalb zieht es mich nach so viel Weitblick erst mal wieder auf den Boden zurück. Toronto gilt als eine der spannendsten Food-Destinationen Nordamerikas. Über 200 verschiedene Kulturen prägen die Metropole. Entsprechend vielfältig präsentiert sich auch die Gastronomie. Innerhalb weniger Strassen findet man Küchen aus praktisch allen Teilen der Welt.
Da ich in den nächsten Tagen möglichst viele davon ausprobieren möchte, beginne ich heute einfach mal mit Mexiko. Mein Ziel ist das El Catrin Destileria im historischen Distillery District. Das Restaurant gehört zu den bekanntesten der Stadt und begeistert nicht nur mit kreativer mexikanischer Küche, sondern auch mit einer riesigen Terrasse. Tacos, Guacamole und ein Margarita – besser könnte mein Toronto-Aufenthalt nicht starten, oder?
Die schönste Ecke Torontos
Nach dem Abendessen schlendere ich noch ein wenig durch den Distillery District. Früher befand sich hier die grösste Whisky-Destillerie des Britischen Empires. Heute zählt das autofreie Quartier zu den beliebtesten und geschichtsträchtigsten Ecken Torontos. Die ehemaligen Industriegebäude beherbergen Galerien, kleine Boutiquen, Ateliers, Cafés und Restaurants. Zwischen den roten Backsteinfassaden stehen moderne Kunstinstallationen, aus den Innenhöfen klingt Livemusik und überall sitzen Menschen gemütlich zusammen.
Bevor ich mich auf den Rückweg mache, lege ich noch einen letzten obligaten Stopp in der Mill Street Brewery ein. Die Brauerei gehört zu den bekanntesten Craft-Beer-Adressen Torontos und passt perfekt zum industriellen Charme des Viertels. Ich bestelle mir einen «Flight» und teste mich durchs Sortiment. Der perfekte Abschluss für meinen ersten Tag in Toronto.
Multikulti in Toronto
Toronto zählt zu den multikulturellsten Städten der Welt. Menschen aus über 200 verschiedenen Herkunftsländern leben hier und mehr als 180 Sprachen werden gesprochen. An Tag 2 verzichte ich deshalb bewusst auf die grossen Sehenswürdigkeiten. Stattdessen möchte ich Toronto Quartier für Quartier entdecken, zu Fuss und mit der Strassenbahn.
Frühstück zwischen Vintage-Läden und Street Art
Mein Tag beginnt im Kensington Market, einem der buntesten und kreativsten Viertel Torontos. Kaum steige ich aus der Strassenbahn, verändert sich die Stimmung. Die Wolkenkratzer sind plötzlich verschwunden. Stattdessen reihen sich kleine Vintage-Läden, Secondhand-Shops, unabhängige Buchhandlungen und bunte Hausfassaden aneinander.Überall entdecke ich kleine Cafés, Bäckereien und Restaurants aus den unterschiedlichsten Ländern.
Ich frühstücke im schwedischen Café FIKA und beobachte das bunte Treiben auf der Strasse. Studierende, Künstler, Familien und Touristen sitzen gemeinsam auf den Terrassen. Alles wirkt entspannt und irgendwie herrlich unperfekt.
Einmal um die Welt
Nur wenige Gehminuten weiter beginnt mit Chinatown eines der grössten und ältesten chinesischen Viertel Nordamerikas. Zwischen Obstständen, asiatischen Supermärkten und kleinen Restaurants fällt mir die Auswahl nicht gerade leicht. Überall steigen verlockende Düfte aus den Küchen, an den Schaufenstern hängen handgemachte Dumplings und in den Auslagen türmen sich exotische Früchte.
Da ich mich ohnehin einmal quer durch Toronto essen möchte, entscheide ich mich spontan für einen kleinen, klassischen Dim Sum Lunch.
Graffiti Alley – Torontos bunteste Galerie
Gut gestärkt geht es weiter zur Graffiti Alley. Was auf Google Maps zunächst wie eine gewöhnliche Seitenstrasse aussieht, entpuppt sich schnell als eine der längsten Street-Art-Galerien Kanadas. Über fast einen Kilometer ziehen sich farbenfrohe Murals, Graffitis und Kunstwerke über die Fassaden der ehemaligen Lagerhäuser. Manche Motive sind politisch, andere verspielt oder einfach nur beeindruckend kreativ. Ich verliere völlig das Zeitgefühl, bleibe immer wieder stehen und entdecke hinter jeder Ecke neue Kunstwerke. Wahrscheinlich gibt es in ganz Toronto keinen fotogeneren Ort.
Von der Graffiti Alley schlendere ich weiter Richtung Queen Street West. Das Viertel gilt seit Jahren als eines der coolsten Einkaufsquartiere Nordamerikas. Statt grosser Modeketten dominieren hier kleine Designerläden, Concept Stores und unabhängige Boutiquen. Wer es Grösser mag, dem sei das CF Toronto Eaton Centre, Kanadas bekanntestes Einkaufszentrum, empfohlen. Hier warten auf mehreren Etagen internationale Marken und grosse Flagship Stores. Ich persönlich bevorzuge lieber die kleineren Geschäfte, weshalb ich mich an der Queen Street West pudelwohl fühle.
Toronto aus dem Fenster der Streetcar
Am späteren Nachmittag steige ich wieder in eine der ikonischen roten Streetcars. Auf dem Plan steht eine kleine Entdeckungstour entlang der Gerrard Street East mit dem 506er.
Schon nach wenigen Stationen verändert sich das Stadtbild erneut. Kleine Familienrestaurants, indische Gewürzläden, tamilische Supermärkte und bunte Schaufenster prägen das Bild – kein Wunder, die Gerrard Street East liegt ja auch zwischen Chinatown und Little India. Toronto zeigt sich hier nochmals von einer ganz anderen Seite. Ich steige zwischendurch immer wieder aus, schlendere durch die Strassen und lasse mich treiben. Genau diese spontanen Entdeckungen sind es, die eine Städtereise für mich besonders machen.
Game Night in Toronto
Zum Abschluss des Tages wartet noch etwas, das in Toronto fast schon zur Stadtkultur gehört: Sport.
Toronto ist die einzige Stadt Kanadas mit Teams in der NHL, NBA, MLB und MLS. Egal zu welcher Jahreszeit man hier unterwegs ist – irgendwo findet fast immer ein grosses Spiel statt. Und da ich Ende September in der Stadt bin, habe ich Glück: Die Toronto Maple Leafs bestreiten gerade eines ihrer Vorbereitungsspiele für die kommende NHL-Saison.
Bevor ich mich unter die Hockeyfans mische, lege ich noch einen kurzen Stopp in der Hockey Hall of Fame ein. Nur wenige Gehminuten von der Scotiabank Arena entfernt schlägt hier das Herz des internationalen Eishockeys. Zwischen Originaltrikots, legendären Pokalen und interaktiven Ausstellungen tauche ich in die Geschichte des Sports ein. Natürlich darf auch ein Erinnerungsfoto mit dem berühmten Stanley Cup nicht fehlen – zumindest mit dem Original, solange ihn gerade kein NHL-Team auf seiner Siegestour durch Nordamerika mit sich herumträgt. 😉
Anschliessend wird es laut. Rund um die Scotiabank Arena herrscht bereits Stunden vor Spielbeginn beste Stimmung. Fans in den blau-weissen Trikots der Maple Leafs strömen Richtung Stadion, Strassenmusiker sorgen für Unterhaltung und in den Sportsbars wird eifrig über die Chancen der neuen Saison diskutiert.
Drinnen wird schnell klar: Auch wenn es «nur» ein Vorbereitungsspiel ist, nehmen die Fans Hockey alles andere als locker. Jeder Check wird bejubelt, jede Parade gefeiert und bei einem Tor der Leafs bebt die ganze Arena. Spätestens jetzt verstehe ich, warum Eishockey in Kanada weit mehr als nur eine Sportart ist – es ist Teil der nationalen Identität.
Nach dem Schlusspfiff fahre ich mit einem Lächeln zurück zu meinem Hotel. Heute habe ich zwar keine klassische Sehenswürdigkeit besucht und trotzdem habe ich irgendwie das Gefühl, Toronto besser kennengelernt zu haben als je zuvor.
Ob das noch zu toppen ist an Tag 3?
Toronto vom Wasser aus
Nach zwei Tagen voller Quartier-Romantik, Street Art und kulinarischer Entdeckungen zieht es mich heute hinaus ins Grüne. Kaum zu glauben, aber direkt vor der Skyline Torontos liegt eine kleine Inselwelt, die sich anfühlt wie ein Kurzurlaub im Kurzurlaub.
Mein Ziel sind die Toronto Islands.
Nur wenige Fahrminuten vom Hotel entfernt steige ich auf die Fähre am Jack Layton Ferry Terminal. Bereits die rund 15-minütige Überfahrt ist ein Erlebnis, denn während sich das Boot langsam vom Festland entfernt, rückt die Skyline Torontos immer stärker in den Mittelpunkt. Der CN Tower überragt die gläsernen Wolkenkratzer, Segelboote kreuzen über den Ontariosee und plötzlich wirkt die Millionenstadt erstaunlich klein. Die Toronto Islands bestehen aus mehreren kleinen Inseln, die durch Brücken und Fusswege miteinander verbunden sind. Autos sucht man hier vergeblich. Stattdessen bestimmen Velos, Spaziergänger und Picknickdecken das Bild.
Abenteuer auf zwei Rädern
Direkt beim Fährterminal miete ich mir ein Velo. Für mich die schönste Art, die Inseln zu erkunden. Gemütlich radle ich über kleine Wege vorbei an gepflegten Gärten, charmanten Cottages, Cafés und schattigen Parks. Immer wieder eröffnen sich neue Ausblicke auf den Ontariosee und die Skyline der Stadt.
Besonders gut gefällt mir Ward’s Island. Kleine Holzhäuser mit bunten Gärten, schmale Wege und kaum Verkehr verleihen dem Quartier fast schon Dorf-Charakter. Nur wenige Minuten zuvor stand ich noch zwischen den Wolkenkratzern – was für eine coole Kombi. Immer wieder halte ich an, schiesse Fotos und geniesse den Blick zurück auf Downtown Toronto. Ich bereue fast ein wenig, dass ich meine Badehose nicht eingepackt habe, denn der Ward’s Island Beach sieht sehr verlockend aus. Übrigens: Auf den Toronto Islands gibt es auch einen kleinen Freizeitpark für Kinder.
Lunch im St. Lawrence Market
Zurück auf dem Festland meldet sich langsam der Hunger. Mein nächster Halt ist deshalb der St. Lawrence Market, einer der ältesten und bekanntesten Lebensmittelmärkte Kanadas.

Schon beim Betreten steigt mir der Duft von frisch gebackenem Brot in die Nase. Ich schlendere zwischen Käsegeschäften, Fischständen und kleinen Delikatessenläden hin und her und probiere natürlich auch den wohl berühmtesten Snack der Stadt: das Peameal Bacon Sandwich von der Carousel Bakery. Der Klassiker besteht aus dick geschnittenem, gepökeltem Schweinerücken, der in Maismehl gewälzt und frisch gebraten wird. Serviert wird er klassisch in einem knusprigen Brötchen mit Senf. Kein kulinarischer Höhenflug, aber probieren geht ja bekanntlich über studieren. 😉
Ein letzter Abend über den Dächern der Stadt
Bevor meine Reise langsam zu Ende geht, gönne ich mir noch einen besonderen Leckerbissen. Mein letzter Abend führt mich ins Canoe Restaurant, hoch über den Strassen Torontos. Das Restaurant zählt nicht nur zu den besten Adressen der Stadt, sondern bietet auch einen spektakulären Blick über Downtown und den Ontariosee.
Während draussen langsam die Sonne hinter der Skyline verschwindet, lasse ich die vergangenen Tage nochmals Revue passieren. Auf meinem Teller landen moderne Interpretationen der kanadischen Küche mit regionalen Zutaten – das Tasting-Menü ist der perfekte Abschluss für eine Stadt, die Tradition und Moderne so selbstverständlich miteinander verbindet wie Toronto.
Nightlife im Entertainment District
Bevor ich mich endgültig von Toronto verabschiede, fehlt noch ein letzter Stopp: der Entertainment District. Denn wenn die Sonne hinter den Wolkenkratzern verschwindet, erwacht dieses Viertel erst richtig zum Leben.
Zwischen Theatern, Konzertsälen, Rooftop-Bars und den grossen Sportarenen herrscht bis spät in die Nacht reger Betrieb. Vor dem Princess of Wales Theatre warten Besucher auf den Einlass zu einem Broadway-Musical, aus den Bars klingt Livemusik und auf den Terrassen stossen Einheimische und Touristen gemeinsam auf das Leben an.
Ich lasse mich ohne grosses Ziel durch die Strassen treiben, bis ich in der Saint Johns Tavern lande. Mit einem kühlen Drink in der Hand beobachte ich das bunte Treiben vor dem Restaurant. Menschen lachen, diskutieren über das Hockeyspiel vom Vorabend oder machen sich auf zur nächsten Bar. Genau diese entspannte, offene Atmosphäre ist es, die Toronto für mich so sympathisch macht.
Bis bald, Toronto
Während ich später langsam zurück Richtung Hotel spaziere, werfe ich noch einen letzten Blick auf den angestrahlten CN Tower, der über den Dächern der Stadt in den Nachthimmel ragt. Morgen geht meine Kanada-Reise bereits weiter, aber eines steht jetzt schon fest: Toronto war für mich weit mehr als nur ein Zwischenstopp. Es ist eine Stadt voller Kontraste, die man Quartier für Quartier entdeckt. Und genau deshalb weiss ich: Ich komme wieder, denn ich habe noch lange nicht alles gesehen.
Weitere Informationen und Reisevorschläge für Ostkanada finden Sie hier.
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