Reiseblog 72 Stunden in Baltimore
Reiseblog 72 Stunden in Baltimore
Direkt an der gewaltigen Chesapeake Bay gelegen, war Baltimore schon früh Schauplatz der amerikanischen Geschichte, aber auch des Welthandels. Die grösste Stadt Marylands verbindet maritimes Erbe mit multikulturellem Flair und hat sich in den letzten Jahren zu einem Geheimtipp an der US-Ostküste gemausert. Was du in 3-Tagen alles erleben kannst, erzähle ich dir gerne in diesem Blogbeitrag.
Meine Reise beginnt mit einem 9-stündigen Transatlantik Flug von Zürich nach Washington D.C. mit United Airlines. Und obwohl die Hauptstadt der USA natürlich auch einiges zu bieten hat, zieht es mich gleich weiter nordwärts, nach Baltimore, Maryland.

Nach knapp zwei Stunden Zugfahrt erreiche ich mein Ziel. Baltimore liegt direkt an der Chesapeake Bay und ist für mich der perfekte Startpunkt für eine kleine Ostküstentour, die später weiter nach Philadelphia, New York und Boston führt. Aber zuerst nehme ich mir volle drei Tage Zeit, um die sogenannte „Charm City“ kennenzulernen. Baltimore ist mit rund 585’000 Einwohnern (Stand 2025) die grösste Stadt Marylands, aber nicht die Hauptstadt – das ist Annapolis. Die Stadt besteht aus über 200 Vierteln, jedes mit eigenem Charakter.

Mein Hotel liegt zentral in Harbor East – ein modernes, stylishes Viertel direkt am Wasser. Hier reihen sich schicke Restaurants, Rooftop-Bars und Boutiquen aneinander, und der Blick über den Hafen ist einfach fantastisch. Nach dem langen Flug gönne ich mir nur noch einen kurzen Spaziergang an der Waterfront-Promenade. Danach heisst es: Ab ins Bett und Energie tanken für die kommenden Tage – ich habe viel vor!
Little Italy & Fells Point

Der Morgen beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück – mir wurde gesagt, am besten in einem der charmanten Cafés rund um den Inner Harbor oder in Little Italy. Letzteres liegt direkt neben meinem Hotel und fühlt sich an wie ein Stück authentisches Italien mitten in den USA. Kopfsteinpflaster, liebevoll gepflegte Vorgärten und jede Menge familiengeführte Restaurants, die seit Generationen Pizza, Pasta & Pastries servieren – hier könnte ich den ganzen Tag verbringen.
Aber mein Baltimore-Abenteuer führt mich weiter Richtung Fells Point, eines der ältesten und geschichtsträchtigsten Viertel der Stadt. Früher war hier das Zentrum des Schiffsbaus, heute ist es eine lebendige Mischung aus Boutiquen, Bars, Galerien und historischen Gebäuden. Ich schlendere über den Broadway Market, der bereits 1786 erbaut wurde, und koste mich durch lokale Spezialitäten – von polnischen Pierogis bis zu herzhaften Sandwiches. Hier gibt’s so ziemlich alles, was das Herz begehrt.
Ab auf’s Wasser

Am Nachmittag steige ich aufs Baltimore Water Taxi – ein echtes Highlight! Vom Wasser aus zeigt sich die Stadt meiner Meinung nach von ihrer fotogensten Seite. Ich lasse mich gemütlich von Pier zu Pier treiben, vorbei an der historischen USS Constellation, Segelschiffen, Backsteinfassaden und modernen Skyscrapern. Der Inner Harbor ist das touristische Herz von Baltimore, hier findet man auch das National Aquarium oder das Maryland Science Center.

Den Abend verbringe ich in guter Gesellschaft, jedoch mit Gänsehaut-Faktor. Die Baltimore Ghost Tour führt mich zurück nach Fells Point, diesmal aber bei Dunkelheit. Zwischen alten Gaslaternen und historischen Häusern erzählt der Guide Geschichten über verschwundene Seeleute, düstere Tavernen und unerklärliche Ereignisse. Gruselig? Oh ja. Empfehlenswert? Sowas von!
Zurück im Hotel lasse ich den Tag mit einem Sundowner an der Bar Revue passieren und falle dann müde, aber glücklich ins Bett.
Filmreife Szenen

Meinen zweiten Tag in Baltimore starte ich im kulturellen Herzen der Stadt, genauer gesagt im Viertel Mount Vernon. Wer mich kennt, weiss, ich bin ein grosser Bücherwurm. Der erste Stopp des Tages stand deshalb ganz weit oben auf meiner Baltimore-Bucketlist. Die George Peabody Library wurde 1878 erbaut und umfasst heute eine Sammlung von über 300’000 Büchern. Im Inneren findet man meterhohe Bücherregale, schmiedeeiserne Galerien und eine Stille, die fast ehrfürchtig macht. Kein Wunder, dass hier schon Szenen aus House of Cards oder Schlaflos in Seattle gedreht wurden. Und apropos Bücher: Hast du gewusst, Edgar Allan Poe, Dichter und Erfinder des Detektivgenres lebte und starb (unter mysteriösen Umständen) in Baltimore. Sein Grab befindet sich auf dem Westminster Hall Cemetery und ist eine beliebte Pilgerstätte für Literaturfans aus aller Welt.
Weltberühmte Kunst

Anschliessend lasse ich mich weiter durch das Viertel treiben. Vorbei an historischen Fassaden und über kleine Parks lande ich schlussendlich im Walters Art Museum, das nicht nur kostenlos ist, sondern auch weltberühmte Kunst beherbergt. Von antiken Skulpturen bis zu Renaissance-Meisterwerken findet man hier so ziemlich alles. Auch das nahegelegene Baltimore Museum of Art wäre einen Besuch wert, aber ich entscheide mich kurzerhand mit dem Taxi ins American Visionary Art Museum in Federal Hill zu fahren. Und was soll ich sagen? Es ist wild, schräg, fantasievoll und genau das Richtige, wenn man Lust auf Kunst abseits des Mainstreams hat.
Geschichte erleben

Nach so viel Kreativität zieht es mich dorthin, wo Geschichte geschrieben wurde: zum Fort McHenry National Monument and Historic Shrine. Hier weht die „Star-Spangled Banner“, die berühmte Flagge, die 1814 über dem Fort wehte und Francis Scott Key zu seinem Gedicht inspirierte, das später zur US-Nationalhymne wurde. Beim Blick über das Wasser und das Fort wird mir nochmals so richtig klar, wie tief Baltimore mit der Geschichte des Landes verwurzelt ist.

Zum Abendessen gönne ich mir heute nochmals etwas ganz Besonderes. Denn kein Baltimore-Besuch ist komplett ohne mindestens einmal ein Maryland Crab Feast probiert zu haben. Gedämpfte Blue Crabs, grosszügig gewürzt mit Old Bay, dazu Maiskolben und geschmolzene Butter. Die besten Adressen dafür? Faidley’s, Koco’s oder Nick’s. Ich entscheide mich für Nick’s mit seiner lebendigen Marktatmosphäre und tollen Auswahl an Seafood-Optionen. Die Liebe zu Baltimore geht eben auch durch den Magen.
Shopping in Hampden

Mein letzter Tag in Baltimore steht nochmals ganz im Zeichen von kreativen Vibes und ein bisschen Shopping darf natürlich auch nicht fehlen. Dafür geht’s ins trendige Hampden, ein Stadtteil im Norden der Stadt, der wie ein charmantes Sammelsurium aus Vintage-Boutiquen, Designläden, Platten-Shops und hippen Cafés wirkt.
Die Hauptstrasse W 36th Street, von den Locals liebevoll The Avenue genannt, ist das pulsierende Herz von Hampden. Hier finde ich originelle Souvenirs, handgemachten Schmuck und lokal gerösteten Kaffee. Es wirkt fast, als hätte sich hier der kreative Spirit der ganzen Stadt niedergelassen.
Hochprozentiger Abschluss

Zum perfekten Abschluss meiner 72 Stunden wird’s nochmals kulinarisch hochstehend oder soll ich sagen hochprozentig: Ich schliesse mich nämlich einem Whiskey-Tasting an und zwar bei der Spirits Company in Remington, eine innovative Brennerei, die alte Handwerkskunst mit modernen Ideen verbindet. Beim Tasting lerne ich nicht nur mehr über die Geschichte des Maryland Rye Whiskeys, sondern darf auch verschiedene Sorten probieren. Mein Favorit? Der Epoch Rye, weich, würzig, mit einer leichten Vanillenote – gut ist schon nach 12… Cheers!
Mit einem letzten Blick auf die Skyline geht’s zurück ins Hotel, wo ich mein Gepäck hole und dann mit dem Taxi zum Bahnhof fahre. Von hier aus bringt mich der Amtrak-Zug in weniger als zwei Stunden nach Philadelphia, meinem nächsten Stopp entlang der Ostküste.
Mein Fazit zur Stadt
Baltimore ist eine Stadt mit Seele, voller Gegensätze, Geschichten und Geschmack. Mal maritim und gelassen, mal laut und kreativ, aber immer authentisch. Zwischen den historischen Lagerhäusern am Hafen, bunten Street-Art-Fassaden, köstlichen Crabcakes und den ehrwürdigen Kulturstätten spürt man an jeder Ecke, dass Baltimore mehr ist als nur Hafenstadt. Ich bin sicher, hier war ich nicht zum letzten Mal.
Weitere Informationen und Reisevorschläge für die Ostküste finden Sie hier.
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